Flughafen-Frequenzen: Tower, Ground, ATIS & Co.
Ein Flughafen spricht nicht mit einer Stimme, sondern mit einem halben Dutzend – jede auf ihrer eigenen Frequenz.
Wer einmal einen Flugfunk-Scanner aufdreht, merkt schnell: Da ist nicht "der Tower", der alles regelt. Da sind mehrere Stellen, die sich ein Flugzeug wie in einer Staffel zuwerfen. Jede hat eine eigene Frequenz und eine eigene Aufgabe. Wenn du weißt, wer wofür zuständig ist, wird aus dem Gebrabbel eine Choreografie.

Die Stationen einer Reise über den Platz
Ein abfliegendes Flugzeug wandert von Frequenz zu Frequenz:
- Clearance Delivery – gibt die Streckenfreigabe, noch bevor sich etwas bewegt. Der Papierkram über Funk.
- Ground – dirigiert das Rollen zwischen Gate und Bahn. Alles, was am Boden fährt.
- Tower – der Chef über die Bahn selbst. Erteilt Start- und Landefreigaben.
- Approach / Departure – übernimmt in der Luft, staffelt an- und abfliegenden Verkehr im Umkreis.
Die Übergabe läuft sauber: "Contact Ground on 121.9" heißt schlicht, jetzt wechselst du zur nächsten Station.
ATIS: die Endlosschleife mit dem Wetter
Das ATIS (Automatic Terminal Information Service) ist die Ausnahme – hier redet niemand mit dir zurück. Es ist eine Dauerschleife, die rund um die Uhr Wetter, aktive Bahn, Luftdruck und besondere Hinweise ansagt. Jede Ausgabe trägt einen Buchstaben (Information Alpha, Bravo, Charlie …), damit klar ist, welchen Stand du gehört hast.
Der Sinn: Piloten holen sich die Infos vorab in Ruhe ab, statt den Lotsen jedes Mal nach dem Wetter zu fragen. Das hält die Sprechfrequenzen frei für das Wesentliche.
Alles im VHF-Band
Der zivile Flugfunk lebt im UKW-Bereich, ungefähr 118 bis 137 MHz. Amplitudenmodulation, keine Frequenzmodulation wie beim Radio – das hat den praktischen Effekt, dass zwei gleichzeitig Sendende sich als Pfeifton überlagern und beide merken, dass sie sich ins Wort gefallen sind.
Die Frequenzen sind fein gerastert, heute im 8,33-kHz-Abstand, weil der Luftraum über Europa sonst schlicht keine freien Kanäle mehr hätte.
Wer sitzt wo – eine grobe Orientierung
| Station | Zuständig für | Typische Frequenz |
|---|---|---|
| ATIS | Wetter & Bahn (Schleife) | ~118–127 MHz |
| Clearance | Streckenfreigabe | ~121–122 MHz |
| Ground | Rollverkehr | ~121–122 MHz |
| Tower | Start & Landung | ~118–119 MHz |
| Approach | Anflug im Umkreis | ~119–127 MHz |
Das sind Anhaltswerte, keine Gesetze – jeder Flughafen hat seinen eigenen Frequenzplan. Kleine Plätze bündeln oft mehrere Rollen auf einer einzigen Frequenz oder haben nur ein unbesetztes Info-Funkfeuer.
Häufige Fragen
Darf ich Flugfunk als Privatperson abhören?
Das hängt vom Land ab. In Deutschland ist das Abhören und Weiterverbreiten des Funkverkehrs rechtlich heikel und grundsätzlich nicht erlaubt. In anderen Ländern, etwa den USA, ist reines Zuhören gängig. Informier dich über die Regeln vor Ort.
Warum wechselt ein Flugzeug so oft die Frequenz?
Weil jede Phase des Flugs eine andere Stelle betreut. Rollen, Starten, Steigen, Reisen – jeweils andere Lotsen mit eigenem Verantwortungsbereich. Die Übergabe von Frequenz zu Frequenz reicht das Flugzeug durch die Zuständigkeiten.
Was bedeutet der Buchstabe beim ATIS?
Er kennzeichnet die Version der Ansage. Bei jeder Aktualisierung, etwa neues Wetter, springt der Code auf den nächsten Buchstaben. So kann der Pilot dem Lotsen sagen, welchen Stand er hat – 'we have information Charlie'.
Kann ich Frequenzen offline nachschlagen?
Ja, gute Aviation-Datenbanken hinterlegen die veröffentlichten Frequenzen pro Flughafen. Das ist praktisch, weil sie stabil sind und sich selten ändern.