Codes & Basics

Die aktive Landebahn: warum der Wind entscheidet

Es ist fast immer der Wind, der bestimmt, wo gestartet und gelandet wird.

Ein Flughafen hat mehrere Bahnen, aber nutzt selten alle gleichzeitig gleich. Mal landet alles auf der 27, ein paar Stunden später auf der 09 – dieselbe Betonpiste, andere Richtung. Der Grund ist keine Laune der Fluglotsen, sondern eine simple physikalische Vorliebe: Flugzeuge starten und landen am liebsten gegen den Wind.

Flughafen-Detail in Skyfield: Landebahnen, Karte, Ortszeit.
Flughafen-Detail in Skyfield: Landebahnen, Karte, Ortszeit.

Gegenwind ist ein Geschenk

Ein Flügel trägt, wenn genug Luft über ihn strömt. Bläst der Wind dem Flugzeug entgegen, ist diese Anströmung schon vor dem Rollen teilweise geschenkt. Ergebnis: Das Flugzeug hebt bei geringerer Geschwindigkeit über Grund ab und braucht weniger Bahn. Bei der Landung dasselbe rückwärts – Gegenwind bremst mit, die Rollstrecke wird kürzer.

Rückenwind wäre das genaue Gegenteil und ist für Start und Landung gefährlich. Deshalb dreht man die Betriebsrichtung lieber mit dem Wetter.

Vom Wind zur Bahn: ein Rechenbeispiel

Angenommen, der Wind kommt aus West (270°). Die Piloten wollen ihm entgegenfliegen, also nach Westen abheben. Die Bahn, die nach Westen zeigt, ist die 27 (siehe Landebahn-Nummern lesen). Also ist 27 die aktive Bahn.

Dreht der Wind über den Tag auf Ost (090°), wird dieselbe Piste von der anderen Seite genutzt und heißt dann 09. Faustregel: Die aktive Bahn-Nummer entspricht ungefähr der Windrichtung in Grad, geteilt durch zehn.

Seitenwind, der Störenfried

Selten weht der Wind exakt entlang einer Bahn. Meist kommt er schräg. Dann zerlegt man ihn gedanklich in zwei Anteile:

  • Gegenwindkomponente – der Teil, der entlang der Bahn hilft. Willkommen.
  • Seitenwindkomponente – der Teil, der quer drückt. Unerwünscht.

Fluglotsen wählen die Bahn, bei der der Seitenwind am kleinsten und der Gegenwind am größten ist. Jedes Flugzeugmuster hat außerdem eine Grenze, ab der Seitenwind zu stark für eine sichere Landung wird.

Wenn nicht nur der Wind zählt

Der Wind gibt den Takt vor, aber nicht immer allein. Manche Flughäfen bevorzugen aus Lärmschutzgründen zu bestimmten Zeiten eine Richtung, solange der Wind es zulässt – oft über Wohngebieten hinweg nachts anders als tagsüber. Auch die Ausrichtung des Anflugverfahrens oder gesperrte Bahnen wegen Bauarbeiten reden mit.

Merksatz: Kein Wind, freie Wahl. Klarer Wind, klare Bahn.

Häufige Fragen

Woher weiß ich als Beobachter, welche Bahn aktiv ist?

Schau, aus welcher Richtung der Wind kommt, und rechne ihn auf eine Bahn um. Oder hör die ATIS-Aussendung des Flughafens ab – dort wird die aktive Bahn direkt angesagt.

Kann ein Flughafen mehrere aktive Bahnen gleichzeitig haben?

Ja. Große Flughäfen mit Parallelbahnen lassen oft eine für Starts und eine für Landungen laufen, beide in dieselbe Richtung. Bei sich kreuzenden Bahnen ist paralleler Betrieb schwieriger und stark geregelt.

Was passiert bei absoluter Windstille?

Dann ist die Wahl frei und andere Faktoren entscheiden: bevorzugte Standardrichtung, Lärmschutz, Anflughilfen oder schlicht die Bahn, die am günstigsten zu den Rollwegen liegt.

Ändert sich die aktive Bahn oft?

So oft, wie der Wind dreht. An manchen Tagen bleibt sie stundenlang gleich, an anderen wird mehrfach umgestellt. Nach dem Durchzug einer Wetterfront ist ein Wechsel typisch.