Codes & Basics

Was ist ein Drehkreuz (Hub)?

Ein Hub ist der Flughafen, an dem eine Airline ihre Passagiere einsammelt und wieder verteilt – wie ein Rangierbahnhof für Menschen.

Warum fliegst du von Hannover nach Buenos Aires fast immer über Frankfurt, München oder Madrid – und praktisch nie direkt? Weil es keine Airline gibt, die eine Boeing 787 dreimal die Woche halb leer über den Atlantik schickt. Stattdessen bündeln Fluggesellschaften die Nachfrage aus zwanzig Städten an einem zentralen Flughafen und schicken von dort einen vollen Flieger los.

Dieser zentrale Flughafen heißt Drehkreuz oder englisch Hub. Das dahinterliegende Prinzip nennt sich Hub-and-Spoke – Nabe und Speichen, wie bei einem Fahrrad.

Große Drehkreuze und mehr auf der Entdecken-Karte.
Große Drehkreuze und mehr auf der Entdecken-Karte.

Hub-and-Spoke gegen Punkt-zu-Punkt

Es gibt zwei Grundmuster, wie eine Airline ihr Streckennetz baut.

Punkt-zu-Punkt heißt: Jede Strecke fliegt direkt. Ryanair und easyJet machen das. Berlin–Mailand, fertig, kein Umsteigen. Klasse für dich, wenn genug Leute genau diese Strecke wollen. Fällt aber weg, sobald die Nachfrage zu dünn ist.

Hub-and-Spoke heißt: Fast alles läuft über ein oder zwei zentrale Flughäfen. Aus fünfzig Zubringerstädten (den Speichen) kommen Passagiere an der Nabe zusammen, steigen um und fliegen weiter. Genau so verbindet Lufthansa ein Provinzstädtchen in Norddeutschland mit Tokio, ohne je einen Direktflug anbieten zu müssen.

Der Trick liegt in der Kombinatorik. Mit einem Hub und 50 Speichen verbindest du theoretisch jede Stadt mit jeder anderen – das sind über tausend Städtepaare, bedient mit nur 50 Strecken. Punkt-zu-Punkt bräuchte für dasselbe hunderte einzelne Routen, viele davon unrentabel.

Warum Airlines überhaupt Hubs bauen

Ein voller Flieger verdient Geld, ein halbleerer verbrennt es. Der Hub ist die Maschine, die Flieger füllt.

  • Auslastung: Zehn Umsteiger aus zehn Kleinstädten plus dreißig Direktreisende ergeben zusammen einen vollen Langstreckenflug, den keine Einzelstadt allein tragen würde.
  • Frequenz: Weil die Nachfrage gebündelt wird, kann die Airline dieselbe Strecke öfter am Tag fliegen. Mehr Auswahl für Geschäftsreisende, die spontan umbuchen.
  • Wellen (Banks): Ein Hub arbeitet in Schüben. Vormittags landet eine Welle Zubringer, alle steigen innerhalb von 60 bis 90 Minuten um, dann startet eine Welle Langstrecken. Deshalb ist es an großen Hubs mal gespenstisch leer und mal berstend voll.

Das Ganze steht und fällt mit der Umsteigezeit, im Fachjargon MCT (Minimum Connecting Time). Ist sie zu knapp, verpasst du bei jeder kleinen Verspätung deinen Anschluss. Ist sie zu lang, wird der Hub unattraktiv.

Die großen Hubs der Welt

Jede große Netzwerk-Airline hat ihre Festung. Ein paar Beispiele:

HubCodeAirlineBesonderheit
FrankfurtFRALufthansaGrößtes deutsches Drehkreuz, Tor nach Asien und Amerika
DubaiDXBEmiratesGeografisch perfekt zwischen Europa, Asien und Afrika
AtlantaATLDeltaÜber Jahre der passagierstärkste Flughafen der Welt
IstanbulISTTurkish AirlinesErreicht mehr Länder direkt als jede andere Airline

Dubai und Istanbul zeigen das Muster besonders schön: Beide liegen auf keiner klassischen Reiseroute, sondern genau dazwischen. Ihre Lage macht sie zur idealen Umsteigenabe zwischen den Kontinenten – die Airlines haben ihren ganzen Erfolg auf diese Geografie gebaut.

Was das für dich bedeutet

Als Passagier hast du am Hub die Wahl zwischen Bequemlichkeit und Risiko.

Dafür spricht: Du erreichst über einen Hub praktisch jedes Ziel der Welt mit einer einzigen Airline und einem durchgecheckten Koffer. Oft günstiger als ein Direktflug, weil die Airline den Umsteiger-Sitz sonst leer fliegen würde.

Dagegen spricht: Umsteigen kostet Zeit und Nerven. Ein verpasster Anschluss wegen Verspätung, ein Sprint durch ein Terminal von der Größe einer Kleinstadt, und dein Gepäck, das gern mal eine Welle später ankommt. Ein Direktflug ist fast immer entspannter – wenn es ihn denn gibt.

Faustregel: Kurz- und Mittelstrecke mit viel Nachfrage – nimm den Direktflug. Exotisches Fernziel – akzeptier den Hub und plan die Umsteigezeit großzügig.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hub und Drehkreuz?

Keiner. Drehkreuz ist einfach das deutsche Wort für Hub. Beides meint den zentralen Flughafen, über den eine Airline ihre Umsteiger leitet.

Warme fliege ich fast nie direkt zu kleinen Zielen?

Weil die Nachfrage für einen Direktflug nicht reicht. Die Airline sammelt Passagiere aus vielen Städten am Hub und schickt erst dann einen vollen Flieger los – sonst würde sich die Strecke nicht rechnen.

Was ist eine Minimum Connecting Time?

Die knappste Umsteigezeit, die eine Airline an einem Flughafen offiziell erlaubt. Buchst du eine Verbindung, die diese Zeit einhält, giltst du als anschlussgesichert – bei Verspätung wird dir umgebucht.

Ist ein Hub für mich teurer oder günstiger?

Oft günstiger. Der Umsteiger-Sitz würde sonst leer fliegen, deshalb verkauft die Airline Verbindungen mit Umstieg häufig billiger als den reinen Direktflug.